Digitale Delikatessen und Virtuelles rund ums Essen
Gruppenausstellung mit: Stefan Fahrnländer, Dan Gold, Martin Dörbaum, Maren Böttcher, Susanne Itzel, Margret Eicher, Christina Paetsch & Christian Weckmann

22. September – 10. Oktober 2007
Eröffnung: Freitag, 21. September, 19 Uhr

„Mit Essen spielt man nicht!“ -  ein rudimentärer Imperativ der postfaschistischen Lebensmittelkarten-Ära traumatisierten Generation? An der Schwelle vom Industrie- zum Informationszeitalter sitzen wir am Computer, während eine Mikrowellenpizza drei Minuten bestrahlt wird, der chinesische Entenbote mit dem kross Gebackenem für € 11,80 auf dem Weg zu den eigenen vier Wänden ist oder man in der agenturfreien Mittagszeit im coolen Glaskasten auf die neueste Kreation („Heliummousse in der Spritze“) wartet. Und neben einem Überangebot an Essbarem spürt man, wir befinden uns inmitten eines großen Zeit- und Wertewandels. Tim Mälzer zeigt uns gleichzeitig, dass auch einige alte Werte noch zählen, wie richtig echtes Gutes selber Kochen.

Trotz designtem Convenience Food, internationalem Lieferservice, Molekularküche oder Hausmannskost à la Haute Cuisine, in der digitalisierten Zeit bleibt zumindest eines analog: das Essen. Das Thema der Nahrungsaufnahme spielt bewusst oder unbewusst eine zentrale Rolle im individuellen Leben eines jeden von uns. Die Art und Weise der Nahrung und Ihrer Aufnahmen definiert unter vielen anderen Aspekten vor allem kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Status. Und hätte nicht schon Eva jenen Apfel gegessen, lebten wir heute vielleicht noch im Paradies?

In der Gruppenausstellung Digitale Delikatessen und Virtuelles rund ums Essen werden  Positionen zu den Verhältnissen moderner Esskultur von acht Künstlern verschiedener junger Medien präsentiert. Die Künstler Stefan Fahrnländer und Dan Gold spiegeln in ihren neosurrealen 3D-Arbeiten das Spiel mit der Wahrnehmung von Lebensmitteln wie sie in der reizüberfluteten Konsumwelt präsentiert werden. Der gleichen medialen Mittel bedient sich Martin Dörbaum, dessen Kücheninterieurs einerseits vertrauten Alltag suggerieren, andererseits durch kühle Menschenleere ihres Zwecks entfremdet eine ambivalente Raumwirkung erzeugen. Sehr lebendig sind dagegen Maren Böttchers Fotografien humorvoll inszenierter Menschen. In ihren „delikaten“ Bildern setzt sie sich mit Essbarem auseinander, an dem sich die Geschmäcker scheiden. Dagegen bleibt einem das Lachen im Halse stecken, wer die detailreiche Installation der HfBK Studentin Susanne Itzel genauer betrachtet. Ihre reich gedeckte Tafel weist gefährliche Kost auf, die erst auf den zweiten Blick vor Schreck das Blut in den Adern gefrieren lässt. Auf unterschiedliche Weise beschäftigen sich die Künstlerinnen Margret Eicher und Christina Paetsch mit der Vergänglichkeit des Essens. Während Eicher einfachen Volksspeisen und Fast Food einen edlen Anstrich verleiht, sie zu Ikonen erhebt und sie verewigt, indem sie diese als „aquarelle“ Stillleben präsentiert, gibt Paetsch organischen Objekten eine neue Zweckgebundenheit, die völlig neue Assoziationen auslöst. Der Digitalkünstler Christian Weckmann hat die biologischen Werte und Prozesse der Nahrung im Blick und wird politisch, indem er die nicht artgerechte Domestizierung von lebendigen Nahrungsquellen thematisiert.




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