29. Juni – 28. Juli 2007
Eröffnung: Freitag, 29. Juni, 19-21 Uhr
Die malerischen Sujets des äußerst umfangreichen Œuvres von Gerhard Mantz täuschen den Betrachter auf den ersten Blick. Sie wirken wie Fotografien, Abbildungen ferner exotischer Länder, wo das Leben friedlich und sorglos erscheint. Die Landschaften gedeihen unberührt, fast Vertrauens erregend - eine scheinbar durchweg endemische Vegetation. Mit Hilfe des Vertrauten ziehen sie den Betrachter in ihren Bann und führen ihn dennoch in die Fremde.
Erst bei genauerer Betrachtung wird die Virtualität der Arbeiten erkennbar: Artefakte und Pixel vereinen sich zu einer fassbar wirkenden Kulisse, zusammengesetzt aus real existierenden organischen und mineralischen Elementen. In den im Computer mit Hilfe von 3D-Programmen generierten Szenen, wuchern Biotope von Gewächsen, deren Herkunft und klimatischer Anspruch eine Koexistenz in der uns vertrauten Realität unvorstellbar macht. Die Zusammensetzung naturalistischer Elemente nehmen in Formen und Größe neue Dimensionen an und werden somit surreal.
Von besonderer Bedeutung sind Mantz’ Arbeiten im Zusammenhang mit aktuellen technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen (wie z.B. dem Hype von „Second Life“ und cybernetischer Fortschritt) und den damit einhergehenden philosophischen Thesen an der Schwelle vom Industrie- zum Informationszeitalter. Und es stellt sich die Frage: sind die virtuellen Welten von Gerhard Mantz lediglich technisch zeitgemäße Abbildungen rekonstruierter Landschaftselemente oder der Anfang einer neuen, noch utopischen Welt? Fest steht: die Bilder des Künstlers sind im konventionellen Sinne keine reinen Abbildungen und beleben auf innovative Weise den klassischen Topos der abendländischen Malerei wieder.
Gerhard Mantz (geboren 1950 in Neu-Ulm) hat an der Kunstakademie Karlsruhe Bildhauerei studiert und lebt heute in Berlin. Sein Werk entwickelte sich von realer Skulptur, mit der er sich früh als Künstler etablierte, über das virtuelle Objekt hin zur kompletten, digital generierten Landschaft. Seine Arbeiten sind in zahlreichen Museen und Sammlungen vertreten.